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  • Janina Vitale

Warum ist Kommunikation so kompliziert?

Eines der häufigsten Anliegen, die ich in der Praxis höre, ist: „Irgendwie funktioniert unsere Kommunikation nicht mehr. Wir brauchen Unterstützung.“


Oft ist die Beziehung an dem Punkt, an dem kaum noch ein wertschätzender Austausch stattfinden kann, durch Schweigen, Abwertungen, Angriffe, Verteidigungen oder ständige Kritik bestimmt. Die Distanz, die dadurch entsteht, erschwert die Kommunikation erheblich.




Ein einziger Satz kann auf unterschiedlichste Art und Weise aufgenommen werden. Die Bedeutung eines Wortes ist streng genommen eine gesellschaftliche Verabredung. Denken 10 Menschen an das Wort „Blau“, wird vermutlich an 10 unterschiedliche Nuancen „Blau“ gedacht. Komplexer wird es mit abstrakten Begriffen wie Liebe, Geld oder Zeit, da sie mit persönlichen Werten und Erfahrungen aufgeladen sind. Was wir nun in Beziehungen versuchen, ist, eine Annäherung an die jeweiligen „Blautöne“ zu finden. Zudem ist Kommunikation weit mehr als das gesprochene Wort. Sie umfasst sämtliche Wege, auf denen Informationen ausgetauscht werden - sei es verbal, nonverbal, durch Gestik, Mimik oder Blicke.


Eine Information & viele Möglichkeiten der Interpretation


Ein klassisches Beispiel aus der Kommunikationstheorie ist das „Vier-Ohren-Modell“ des Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Es verdeutlicht die 4 Ebenen einer Nachricht und ihre Interpretationsmöglichkeiten:

Ein Paar sitzt gemeinsam im Auto und steht an einer roten Ampel. Es wird grün. Die Frau ist in Gedanken und fährt nicht sofort los. Daraufhin sagt der Mann prompt: „Die Ampel ist grün.“ Neben diesem sachlich völlig korrekten Hinweis gibt es verschiedene Ebenen, den Satz zu verstehen:


Es gibt 4 Möglichkeiten, was der Mann gemeint haben könnte:

• Sachebene: „Die Ampel ist grün.“

• Selbstoffenbarungsebene: „Ich bin in Eile und möchte losfahren.“

• Beziehungsebene: „Ich kann besser Autofahren.“

• Appellebene: „Fahr zu, gib Gas!“

Und 4 Möglichkeiten, was die Frau verstehen könnte:

• Sachebene: „Die Ampel steht auf Grün.“

• Selbstoffenbarungsebene: „Du bist zu langsam.“

• Beziehungsebene: „Du kannst nicht Auto fahren.“

• Appellebene: „Das nächste Mal fahre ich lieber."

Das Modell verdeutlicht, dass man nicht davon ausgehen kann, dass das Gesagte immer so verstanden wird, wie es gemeint ist. Das gilt vor allem dann, wenn die Beziehung gerade durch Verletzungen ins Ungleichgewicht geraten ist.

Kommunikationsmuster erkennen und verändern

Entscheidend ist nun, dass man sich seiner Kommunikationsmuster bewusst wird, denn nur dann können sie auch verändert werden.

Um die Kommunikation zu verbessern, ist es wichtig, mit Interesse und Neugier herauszufinden, was hinter den vermeintlich vielsagenden Worten steckt: Welches Anliegen oder Bedürfnis hat mein Herzensmensch wirklich, wenn alle paar Tage ein Streit vom Zaun gebrochen wird, weil die Zahnpastatube nicht verschlossen oder die Spülmaschine nicht ausgeräumt ist? Es geht meist nur vordergründig um Ordnung oder die berüchtigte Zahnpastatube. Es geht um das Gefühl unter der Wut, das bei ihr oder ihm ausgelöst wird.

Die Mühe lohnt sich meistens, denn eine gelungene Kommunikation schafft nicht nur Verständnis, sondern fördert auch das Vertrauen und die Intimität zwischen Paaren.


Manchmal sind die Fronten allerdings so verhärtet, dass die Bereitschaft sich auf das einzulassen, was der andere wirklich sagt, eingeschränkt oder sogar ganz fehlt. In der Paartherapie begleite ich meine Klientinnen und Klienten dabei, ihre Muster und Konflikte zu erkennen und aufzulösen. So kann sich emotionale Verbundenheit wieder entwickeln. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie wirksam bewusster und offener Austausch sein kann.


Glück auf,

eure Janina


P.S.: Bitte denkt daran, dass ein so kurzer Beitrag immer nur einen kleinen Einblick in ein komplexes Thema geben kann.


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